Parodontologie

Parodontologie

Teil 1: Begriffserklärung und Ursachen

Neben Karies ist in vielen Zahnarztpraxen der Begriff Parodontose sicherlich eine der statistisch am häufigsten verwendeten Bezeichnungen für einen Befund. Trotz dieser allgemeinen Geläufigkeit kommt es vielfach zu Unverständnis über den Hintergrund und die tatsächlichen Gefahren der Parodontose, die im wissenschaftlich korrekten zahnmedizinischen Jargon als Parodontitis bezeichnet wird.

Vielen Menschen ist bewusst, wodurch es zu einer Kariesbildung kommt und wie sich diese schmerzhaft an den Zähnen äußern kann. Die anfänglich häufig schmerzfreie Parodontitis hingegen bedarf oft einer weitgehenden Aufklärung, da den Patienten die Ursachen und Auswirkungen nicht umfänglich bekannt sind. Weil der Befund einer Parodontitis weit über das Gebiss hinausgehen kann, möchten wir Sie im Folgenden über diese Krankheit aufklären und Ihr Bewusstsein für eine größtmögliche Prävention wecken.

Verantwortlich für das Entstehen einer Parodontitis sind Bakterien im Mundraum, die sich an den Zähnen anlagern und am Zahnfleisch Entzündungen verursachen. Können diese Bakterien nicht wirkungsvoll durch das Immunsystem bekämpft werden, kann es bei Fortschreiten dieser Entzündung zur Bildung von Zahnfleischtaschen kommen, die weiteren Bakterien optimalen Schutz vor der mechanischen Reinigung bieten. In Folge bildet sich ein Befall des Kieferknochens aus – der eigentlichen Parodontitis. Wird diesem Prozess nicht rechtzeitig und nachhaltig entgegengewirkt, führt er zu lockeren Zähnen und schließlich zum unwiederbringlichen Zahnverlust.

In der Regel schleicht sich die Parodontitis unbemerkt und schmerzfrei ein, Zahnfleischrötungen oder –bluten sind neben Mundgeruch oft die einzigen ersten Indikatoren. Daher sind neben der täglichen Pflege eine regelmäßige Kontrolle sowie die professionelle Zahnreinigung unabdingbar. Wird nicht rechtzeitig durch Ihren Zahnarzt eingegriffen, bildet sich das Zahnfleisch zurück und die Zahnhälse werden freigelegt, was diese wiederum empfindlicher und anfälliger macht. Hier sollte eine zunehmende Temperaturempfindlichkeit für den Patienten ein weiteres wichtiges Signal darstellen.

Häufig ist es vollkommen unbekannt, dass der menschliche Organismus durch Parodontitis weitreichende Schädigungen erfahren kann. Außer den unmittelbaren Auswirkungen im Mundraum, wie schlimmstenfalls Zahnverlust, besteht die Möglichkeit einer Auswirkung auf nicht direkt damit zusammenhängende Körperpartien oder –funktionen.

Es ist mittlerweile erwiesen, dass eine unbehandelte Parodontitis zu vielfachen anderen Erkrankungen oder Einschränkungen führen kann. Nachgewiesen wurden bislang Herz- und Kreislauferkrankungen – das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall ist doppelt so hoch wie bei einem Patienten ohne Parodontitis. Das Risiko eines Diabetes kann sogar auf das Elffache gegenüber dem Normalzustand anwachsen. Andererseits kann es bei Patienten mit bereits vorhandenem Diabetes zu einem erhöhten Parodontitis-Risiko kommen.

Weitere wissenschaftlich nachgewiesene Fälle betreffen zudem eine gehäufte chronische Ausbildung von Erkrankungen der Lunge und der Atemwege sowie die verstärkte Erkrankung an Osteoporose oder einer rheumatischen Arthritis. Nicht zuletzt müssen Schwangere mit einem bis zu achtfach höheren Risiko einer Fehlgeburt rechnen, wenn sie die Parodontitis nicht erkennen und unbehandelt lassen.

Auf Basis neuester Forschungen wurde ein simpler Schnelltest entwickelt, der zuverlässige Aussagen zur Spezifikation der Bakterienzusammensetzung im Mundraum macht. Sprechen Sie Ihren Zahnarzt an und lassen ihn mit seiner medizinischen Fachkunde und weiteren vielfältigen Diagnoseverfahren Ihren aktuellen Zahnstatus abklären.

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