Zahnhälse
Zahnhälse

Zahnhälse

Viele Menschen kennen das Phänomen: Man nimmt etwas Süßes oder Saures unbedacht zu sich und schon ist er da, der ziehende Schmerz an einem oder mehreren Zahnhälsen und verleidet einem unmittelbar den Genuss der Speisen. Das „Sündigen“ macht keinen Spaß mehr!

Der Grund dafür ist schnell erklärt: Der Zahnhals liegt frei.

Aber nicht nur süße oder saure Nahrungsmittel gelten als Ursache, sondern es können auch kalte oder sehr warme Speisen und Getränke sowie mechanische Belastungen, wie beim Zähneputzen, einen derartigen Schmerz hervorrufen.

Der häufigste Rat ist: „Zähne vorsichtiger putzen“.

Allerdings werden viele Betroffene gemerkt haben, dass dieser Rat alleine nichts taugt. Die Beschwerden tauchen immer wieder auf.

Was ist die Ursache für „freiliegende Zahnhälse“?

Der häufigste Grund für freiliegende Zahnhälse ist das Knirschen und Pressen

Bei einem freiliegenden Zahnhals hat sich das Zehnfleisch ganz oder teilweise zurückgezogen. Der Hauptgrund dafür ist FEHLFUNKTION, in der Regel durch massives Knirschen im Stress und/oder in der Nacht.

Dieses Knirschen führt zu einer Drucküberlastung in dem Bereich, wo der Zahn aus dem Knochen und dem Zahnfleisch herausragt. Der hohe Druck überlastet das Gewebe und sorgt für eine zeitweise Mangeldurchblutung. Das führt dazu, dass Zahnfleisch und Knochen (!) den Rückzug antreten und somit den Zahnhals freilegen.

Auch eine belagsbedingte Parodontitis (Abbau des Zahnfundaments durch bakterielle Entzündungs-prozesse) kann einen derartigen Rückgang provozieren.

Zudem ist auch eine falsche Zahnputztechnik mit als Grund für die Fehlbelastung der Gewebe anzusehen.

Was IST die Definition von Zahnhals?

Ein gesunder Zahn ist außerhalb des Zahnfleisches mit seiner sog. Zahnkrone von einer ca. 2 mm dicken Schicht Zahnschmelz überzogen. Diese mineralisch sehr harte und spröde Substanz hilft dabei, einen Widerstand gegen äußere Einflüsse und harte Nahrungsmittel zu bieten.

Im Kern der Zahnkrone und im Wurzelbereich jedoch ist der Zahn mit einem viel weicheren und elastischeren Material, dem Dentin, ausgestattet.

Das gibt dem Zahn die notwendige Elastizität, ihn davor zu schützen, bei Spitzenlasten (z. B. dem unvermittelten Beißen auf einen Kirschkern) nicht gleich zu zerbrechen, sondern „auszuweichen“, d. h. flexibel zu reagieren.

Ziehen sich jedoch Knochen und Zahnfleisch zurück, liegt das Wurzeldentin frei und der Zahnhals, der meist als etwas dunklere Zahnsubstanz erkennbar ist, erscheint zudem länger.

Warum reagiert der Zahnhals so sensibel auf äußere Reize?

Jeder Zahn ist mit einem Schutzmechanismus ausgestattet, der das Gehirn mit einem Schmerzreiz über ein komplexes Nervengeflecht darauf hinweist, dass ein negativer Reiz (warm, kalt, süß, sauer, hoher Druck) den Zahn überlasten könnte. Dieses System sorgt u. a. dafür, dass der Mund sich reflektorisch sofort weit öffnet, wenn man unbewusst auf etwas sehr Hartes, wie den erwähnten Kirschkern beißt. Über ein Schmerzgefühl informiert dieser Komplex aber auch, wenn die Temperatur eines Nahrungsmittels zu hoch oder zu niedrig ist und damit das Nervengeflecht bedroht (z. B. bei zu kaltem Eis).

Liegt das Dentin mit seinen freien Nervenkanälen nun an der Oberfläche und nicht mehr unter dem Zahnfleisch, wirken alle Reize ungefiltert auf den Nerv ein und der Schmerz tritt auf.

Es kommt vor, dass das Schmerzempfinden mit der Zeit nachlässt, weil der Zahn die Kanäle „verstopft“. Das Symptom des freiliegenden Zahnhalses und dessen wichtige Ursachen dafür sind jedoch nicht beseitigt!

Was sollte man gegen empfindliche Zahnhälse unternehmen?

Es gibt zwar Möglichkeiten, eine vorübergehende Linderung der Auswirkungen erlangen, indem man für eine hohe Fluoridierung in der Zahnarztpraxis oder durch eine stark fluorhaltige Zahnpasta sorgt, aber es soll an dieser Stelle nochmals daran erinnert werden: Diese Maßnahmen bekämpfen mehr schlecht als recht nur das SYMPTOM, nicht jedoch die URSACHE.

Die vier wichtigsten Sofort-Maßnahmen für die Therapie freiliegender Zahnhälse sind:

Wirksame Soforthilfe gegen nervige freiliegende Zahnhälse:

  • professionelle Zahnreinigung
  • schonende Zahnpflege
  • Knirscherschiene
  • Stressmanagement
  1. Professionelle Zahnreinigung und unterstützende Parodontitis-Therapie zur Beseitigung der ursächlichen ENTZÜNDUNG.
  2. Erlernen einer korrekten Zahnputztechnik unter Anleitung einer geschulten Fachkraft in der Abteilung für professionelle Zahnreinigung zur Beseitigung der Ursache FEHLBELASTUNG DURCH ZU HARTES/FALSCHES PUTZEN
  3. Das unbedingte Anfertigen einer kiefergelenksorientierten KNIRSCHERSCHIENE. Dieses Hilfsmittel ist der Königsweg, um den Zahnfleischrückgang zu verlangsamen oder zu stoppen, denn der allergrößte Faktor ist die Ursache ÜBERLASTUNG DES ZAHNHALTEAPPARATES DURCH FEHLFUNKTION = STRESSKNIRSCHEN.
  4. Stress analysieren - Stress minimieren. Im Berufs- oder Familienalltag sicher der schwierigste Teil der Therapie, denn meist kann man den Stress nur bedingt selber beeinflussen. Mein Tipp: Druckabbau durch fordernden Sport oder durch meditative Maßnahmen, wie zum Beispiel Yoga.

Die wichtigsten „Stressbreaker“ sind in jedem Falle die Schiene und die Putztechnik, denn damit lassen sich in der Regel die Empfindlichkeiten schon stark reduzieren.

Was passiert mit dem freiliegenden Zahnhals?

Die schlechte Nachricht ist, das Zahnfleisch wächst nicht mehr am Zahn hoch. Plump ausgedrückt: Weg ist weg!

Liegt der Zahnhals frei und es gibt noch genügend Weichgewebe unterhalb davon, sind häufig keine weiteren Maßnahmen als die oben genannten erforderlich.

Ist allerdings auch das Weichgewebe zu stark geschädigt und ausgedünnt, könnte dies durch eine Transplantation von eigenem Zahnfleisch zum Teil rekonstruiert werden.

Sonderfall „Keilförmiger Defekt“

Liegt der Zahnhals schon lange offen und die Zahnputztechnik war zu hart für die Oberfläche, reduziert man das weiche Dentin und es entsteht ein sogenannter „Keilförmiger Defekt“, den Sie auch mit dem Fingernagel häufig schon als Kante im Übergang von der Krone wahrnehmen können.

Weil dies die äußeren Reize immer näher an das eigentliche Nerv-Gewebe bringt, droht in seltenen Fällen eine Wurzelbehandlung, häufig jedoch eine Karies an der schlecht zu pflegenden Rille/Kante.

Als einzig sinnvoller Schutz kommt hier die ZAHNHALSFÜLLUNG in Frage.

Wie wird eine Zahnhalsfüllung durchgeführt?

Das Ziel einer korrekten Zahnhalsfüllung ist das minimalinvasive Vorgehen und der Schutz der darunter liegenden Zahnsubstanz

Nach entsprechender Trockenlegung des freiliegenden Zahnhalses wird der meist kariesfreie Defekt minimalinvasiv mit einem Sandstrahler schonend gereinigt. Gleichzeitig bewirkt das Aufrauen durch die 25 Mikrometer kleinen Sandpartikel eine starke Vergrößerung der Klebefläche.

Mittels einer besonderen Verklebung und Isolierung der Zahnsubstanz wird diese für die Aufnahme eines speziellen Kompositwerkstoffes vorbereitet.

Im Anschluss folgen die Füllung mit dem zahnfarbenen hochästhetischen Komposit sowie die Hochglanzpolitur der Oberfläche.

Wie lange hält eine Zahnhalsfüllung?

Eine Zahnhalsfüllung nimmt immer einen Teil der Fehlbelastung auf, die vorher der Zahn auffangen musste. Daher baut sich nun die Füllung anstelle der Zahnsubstanz mit der Zeit ab. Im schlimmsten Fall liegt der Originaldefekt nach einigen Jahren wieder frei – allerdings ohne weitere Schäden und Substanzverluste

Die Zahnhalsfüllung ist somit die einzige von uns erbrachte Leistung, die dazu geschaffen ist, zum Schutz des Zahnes zu scheitern!

Dennoch kann man in der Regel von einer Verweildauer von mehr als fünf, meist bis zu zehn Jahren ausgehen.

Als Voraussetzung dafür gilt jedoch, dass die vorgenannten Maßnahmen zur Ursachenbeseitigung stringent und fachlich kompetent durchgeführt werden.

Was kostet eine Zahnhalsfüllung?

Eine minimalinvasive, farbechte Zahnhalsfüllung kostet zwischen 30-80 Euro – und damit deutlich weniger als etwaige Folgekosten der Nichtbehandlung.

Eine wie oben beschriebene minimalinvasive und hochästhetische Füllung wird von den Krankenkassen bezuschusst und von den privaten Versicherungen in der Regel sogar vollständig bezahlt.

Eine derartige Zahnhalsfüllung bedeutet in der Regel eine Investition zwischen € 30 und € 80 (ggf. abzüglich der Kassenleistung).

Die Folgekosten eines nichtbehandelten freiliegenden Zahnhalses und die Missachtung der Ursachenbeseitigung, z. B. durch Kariestherapie, Wurzelkanalbehandlung oder Transplantat-Operationen sind dagegen um ein Vielfaches höher.

Die Investition für eine, meist obligate gnathologische Schiene wird in der Regel von der privaten Versicherung bezahlt und von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst. Die daraus resultierenden Mehrkosten für einen pflichtversicherten Patienten liegen bei ca. € 360. Jedoch gilt auch hier: Alle Folgekosten durch Überlastung der Zähne (Frakturen / Extraktionen / Implantationen / Brücken / Wurzelkanalbehandlungen) sind deutlich größer und unangenehmer.

 

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